Das Gerücht vom gestörten Wachstum
Von Jugendlichen bekomme ich oft die Frage gestellt, ob durch Bodybuilding ihr Wachstum gestört werde. Die Antwort ist: "Nein!" Wie bei allen Gerüchten gibt es aber ein Körnchen Wahrheit, das für seine Verbreitung sorgt. Es ist nämlich wahr, daß die Anwendung mancher Steroide das Wachstum von Jugendlichen stört, die noch nicht die Pubertät erreicht haben, aber dies hat nichts mit dem Bodybuilding an sich zu tun, sondern nur mit den Steroiden. Bis jetzt habe ich noch keine Studie gesehen, die auch nur den leisen Verdacht äußerte, daß das Bodybuilding selbst für ein gestörtes Wachstum sorge. Ich würde sagen, daß ständig eine 50 kg schwere Platte auf dem Kopf herumzutragen Ihre Wirbel zusammendrücken würde, Sie aber Rückenprobleme lange vor einem meßbaren Verlust an Größe hätten.
Also, ab welchem Alter sollten Jugendliche Kraftsport betreiben? Obwohl Bodybuilding Ihr Wachstum also nicht stört, würde ich trotzdem empfehlen, damit erst im Alter von 18 anzufangen. Unter 18 gehen die grundlegenden Stärkungsübungen in Ordnung, die man auch im Sportunterricht lernt (Liegestützen, Klimmzüge, Bauchpressen), aber keine Gewichte. Warum? Es hat nichts mit Wachsstumsstörungen zun tun. Nach meiner Erfahrung ist aber bei Jugendlichen das Verletzungsrisiko stark erhöht. Ich bekomme ständig Emails von Leuten über 20, die chronische Gelenkschmerzen haben und überhaupt nicht mehr trainieren können.
Ich denke außerdem, daß es ist für Jugendliche viel wichtiger ist, ihre Körperkontrolle und den Gleichgewichtssinn zu trainieren während sie noch jung sind, da diese Fähigkeiten später im Leben schwerer zu erlernen sind. Sie können sich ab 20 noch viel Muskel antrainieren, schon als Jugendlicher Gewichte zu heben ist nicht notwendig. Ein paar gute Sportarten wären Fußball, Basketball, Tennis, Skateboard fahren und Hockey - bei allen braucht man viel Gleichgewichtssinn, Koordination und muß viel laufen können.
Ein weiterer Grund, bis zum 18. Lebensjahr zu warten, ist, daß der Körper vorher kaum die für das Muskelwachstum nötigen Hormone produziert, weshalb das Gewichtheben nicht nur ein Verletzungsrisiko bedeuten würde: Es gäbe dazu auch noch kaum eine Chance für große Muskelgewinne.
