Dehnen und Strecken
Flexibilität ist schon bei alltäglichen Beschäftigungen wie Gehen, Putzen und Gartenarbeit sehr wichtig. Wenn es Ihnen an Flexibilität mangelt, dann müssen Sie dies durch Biegen Ihres Körpers ausgleichen, was in Verletzungen mündet. Flexibilität ist auch in fast jeder Sportart von Bedeutung. Je weiter ein Schwimmer seine Hände ausstrecken kann, bevor er sie wieder in das Wasser schlägt, desto schneller wird er schwimmen. Gymnastik ist eine Sportart, die ein unglaubliches Maß an Flexibilität abverlangt; versuchen Sie sich jemanden ohne sie bei einer Barren- oder Bodenübung vorzustellen - unmöglich.
Reden wir nun über die Flexibilität im Bodybuilding. Zuallerst räumen wir das Märchen vom Bodybuilder beiseite, der so muskulös ist, daß er seinen eigenen Rücken nicht mehr kratzen kann. Es ist nicht das Bodybuilding, das jemanden steif macht. Sondern ein Mangel an Dehnübungen. Wenn ein Bodybuilder (oder wer auch immer sonst) sich nicht dehnt, dann kann er an Bewegungsspielraum verlieren.
Eine Volksweisheit erklärt, daß man sich vor der Arbeit mit Gewichten dehnen muß - Ich widerspreche. Denn nach dem zu urteilen, was ich gesehen habe, ist die Gefahr von Verletzungen durch Dehnübungen vor dem Krafttraining größer als das Gewichtheben an sich. Nach meiner Meinung werden Verletzungen durch das Gewichtheben eher vermieden, wenn man, bevor man mit dem eigentlichen Training loslegt, Aufwärmsätze mit 30, 40, 50 und 60 Prozent des normalerweise verwendeten Gewichtes macht. Dieses fünfminütige Aufwärmen betreibe ich vor meiner ersten Übung jedes Muskels.
Eine andere Theorie besagt, daß die Muskeln am besten wachsen, wenn sie zwischen den Sätzen, also im gut durchbluteten Zustand, gedehnt werden. Ich bin hier eher skeptisch und mag die Idee des Dehnens zwischen den Sätzen nicht, denn, wie Sie wissen, stört es nach meiner Meinung zu sehr den Fokus.
Dehnen und Strecken kann sehr viel gefährlicher sein als das Bodybuilding und ein überdehnter Muskel kann eine lange Zeit brauchen, bis er sich wieder erholt hat. Sie sollten also wissen, was Sie tun. Ich lege Ihnen den Rat, es in einem Jogakurs zu lernen, sehr nahe, damit Sie wissen, wieviel Kraft Sie ohne Gefahr beim Dehnen einsetzen können. Von grundlegender Wichtigkeit ist, daß Sie sich ohne Reißen und Hüpfen dehnen. Die hüpfenden Zehberührungen mit der Hand, die wir Älteren noch im Sportunterricht gelernt haben sind FALSCH, kein Hüpfen!
Wenn Sie für nur eine einzige Dehnung Zeit haben, dann sollte es die der hinteren Oberschenkelmuskulatur sein, da sie oft zu den verspanntesten Muskeln gehören und es zu Rückenproblemen führen kann, wenn hier die Dehnbarkeit fehlt. Da ich Erfahrungen mit Lendenwirbelsäulenproblemen habe ist dies für mich sakrosankt.
